Alles eine Frage des Speichers

Quelle: iSuppli

Wenn man in den letzten Tagen meine Kommentare hier zum neuen iPad liest könnte man meinen, dass ich zu kritisch bin. Andererseits ist es ehrlich gesagt etwas unverständlich warum bei dem sehr stark angestiegenen Speicherbedarf die Speicherstufen der neuen iPads nicht 32, 64 und 128 sind.

Schauen wir uns einfach mal die Marge an bei den einzelnen Geräten:

iPad 2

Wifi Wifi + 3G
16 GB 32 GB
Herstellung $245,10 $271,00
Verkauf $399,00 $529,00
Marge 38,57% 48,77%
in $ $153,90 $258,00

iPad 3 Wifi

16 GB 32 GB 64 GB
Herstellung $316,05 $332,85 $366,45
Verkauf $499,00 $599,00 $699,00
Marge 36,66% 44,43% 47,58%
in $ $182,95 $266,15 $332,55

iPad 3 Wifi+3G

16 GB 32 GB 64 GB
Herstellung $358,30 $375,10 $408,70
Verkauf $629,00 $729,00 $829,00
Marge 43,04% 48,55% 50,70%
in $ $270,70 $353,90 $420,30

Minimum 36% Marge, Maximum 50% Marge. Und man muss kein Diplom-Mathematiker sein um zu erkennen, dass das alles am Flash-Speicher liegt.

Für 1 Dollar pro 1GB zusätzlichem Speicher bedeutet does aber aicj in den kleinsten Versionen eine Verringerung der Marge von 182$ auf 166$ – das sind 10% weniger Gewinn. Egal wie viel Gewinn Apple macht – 10% weniger Gewinn ist etwas was man sehr schlecht gegenüber seinen Aktionären verkaufen kann.

Der Punkt dabei ist, dass andere Firmen im Moment fast überhaupt keine Gewinne einfahren, obwohl sie genau so viele PCs verkaufen wie Apple iPads. Die Margen von HP und Dell z.B. sind so gering dass sie ihre PC-Sparten am liebsten loswerden wollen. Manche Kritiker dieser Firmen *hust* John Gruber *hust* stellen das als Schwäche des PC-Marktes dar. Es ist ein an sich schlüssiges Argument – Windows ist „Gift“ (Zitat Joshua Topolsky). Es ist unbenutzbar, hässlich etc. pp. Aber ein Windows-PC ist bereits ab 300 Dollar zu haben. Support hin oder her, wer kann sich noch an Zeiten erinnern wo ein Laptop mindestens 3000 Mark gekostet hat, respektive 1500 Euro? Damals war auf den Geräten AUCH Windows.

Worauf ich hinaus will: Apple ist im Massenmarkt angekommen. Sie haben 100 Milliarden Dollar auf der hohen Kante. Es ist verständlich dass wenn man so kurz vor dem Tod der eigenen Firma gestanden hat sich jetzt verhält wie ein altes Mütterchen nach dem Krieg, das all sein Geld in die Matratze stopft.

Nur hat der Windows-Markt gezeigt, dass durch hohe Konkurrenz die Firmen immer mehr in die eigene Marge geschnitten haben, um Kunden zu aquirieren. Apple hat de Facto keine Konkurrenz. Die Produkte sind meilenweit voraus, zwei, drei Jahre. Es gibt für Apple keinen Grund, nicht so viel Geld einzusammeln. Wie sagte Horace Dediu doch neulich? iPhones verschaffen den Kunden viel Nutzen – und schau Dir an wie viel Geld sie für Sachen ausgeben, die schlecht für sie sind wie Drogen. Ich bleib dabei, ein selten dämlicher Vergleich, aber der Kern ist irgendwo richtig. Apple-Produkte verschaffen den Kunden einen so hohen Nutzen, dass der Schnittpunkt von Kosten/Nutzen so weit oben angesiedelt werden kann. Das war früher schon so nur jetzt hat Apple Produkte auf dem Markt die wirklich jeder haben will. Nach Jahren des leidvollen Windows-Gebrauchs ist für viele die Erkenntnis leicht, dass Geld nicht alles ist. Und als Folge dessen wird Windows auch besser. Ohne OS X wäre Windows 7 nie so gut geworden wie es jetzt ist (nicht schlagen!). Mein Windows 7 läuft ohne Probleme einen ganzen Monat lang durch ohne es neu starten zu müssen. Dann ist Patch-Day und ich muss es machen, aber ansonsten ist es nicht mehr nötig. 1995 unter Windows 95 hat der Rechner durch Abstürze alle zwei Stunden einen Neustart gemacht (!). Kein Wunder dass heute niemand wie ich alle zwei Sekunden STRG+S drückt um zu speichern und Apple die Auto-Speicherung einführt, weil die nächste Generation Computernutzer nicht mehr daran gewöhnt ist.

Aber zurück zu den Preisen und dem Geld bei Apple in der Kriegsschatulle. Es gibt viele Möglichkeiten, dieses Geld zu verwenden. Eine wäre es, den Arbeitern in China mehr Geld zu geben, mehr aufzuwenden für sichere Arbeitsbedingungen. Durch die Verteuerung der Arbeit könnten Teile des Fertigungsprozesses auch zurück in die USA wandern. Der Transport per Schiff ist so billig dass es egal ist, wo ein Arbeitsschritt vorgenommen wird.

Eine andere Möglichkeit wäre, endlich mehr Speicher einzubauen. Wenn das 16GB iPad nicht reicht, um alle Schulbücher eines Jahrgangs aufzunehmen, kommt Apple in Erklärungsnöte.

Man kann es natürlich auch seinen Aktionären als Dividende ausschütten. Die denkbar schlechteste Lösung.

Und es ist natürlich eine Möglichkeit, sich mit dem Geld eine Wagenburg zu bauen, wie John Gruber es gerne hätte. Irgendwie vergisst er dabei aber, dass das darauf hinausläuft, Produktionsstätten zu kaufen. Langfristige Verträge hat Apple seit Jahren. Sie sind meiner Ansicht nach bereits rundum abgesichert. Zu sagen dass sie sich weiter absichern sollen bedeutet im Prinzip, das Versicherungsunternehmen zu kaufen bei dem sie sich versichert haben.

Das ist Unsinn.

 

Meine Hoffnung ist es, dass Apple ein wenig von Allem macht. Mehr Speicher spätestens nächstes Jahr (ich hatte übrigens auf nächstes Jahr getippt was den Speicherplatz angeht), bessere Arbeitsbedingungen für chinesische Arbeiter, mehr Arbeitsplätze in den USA, z.B. durch einen späten Arbeitsschritt wie Verpacken oder Endkontrolle. Eine Dividenden-Ausschüttung. Mehr Investitionen in noch mehr Läden. Und ganz viel Geld auf der hohen Kante – nur sollten dabei drei Jahre Ausgaben reichen.

Eine lustige Idee wäre es, ein Transportunternehmen zu kaufen und dort die Abläufe mit iOS-Geräten zu optimieren. Aber das ist, wie der Kauf von Hollywood-Firmen, Kabelnetzbetreibern oder Satellitenanbietern, eine Sache die Apple bisher nicht gemacht hat. Nur wer weiß was Tim Cook ändern wird. Es gibt meiner Ansicht nach keine Möglichkeiten mehr, den Produktionsprozess zu optimieren. Es bleibt für das Geld nur noch die Möglichkeit, Teile der Lieferkette zu kaufen.

 

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1 Antwort

  1. 4ndreas sagt:

    Klasse Beitrag. Erübrigt sich auch wohl die Frage wieso iPads nie ein einen eingebauten Speicherkartenleser haben werden.

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