Real Racing 3 – Update 1.1

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Die in Update 1.1 versteckte Corvette ZR-1 (und der unschöne Nebeneffekt)

Drei neue Autos gab es letzten Donnerstag im neuen „Chevrolet“-Update zu Real Racing 3. Drei? Ja. Zwei spielbare (Cobalt SS, Camaro ZL1) und eines das in ein paar tausend Tagen ausgeliefert wird, die Corvette ZR-1. Dass ein neues, nicht im Spiel auffindbares Fahrzeug vorhanden sein muss, sieht man an einem unschönen Nebeneffekt: die Serien, in die die Corvette in Zukunft eingeordnet werden wird („Moderne Sportwagenklassiker“ und „RWD Open Revolution“) sind nicht mehr komplettierbar.

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Die drei neuen Rennserien mit dem neuen Rennmodus „Jäger“ – 100% ohne Gold-Upgrades erreicht

Wie man im 1. Screenshot oben in der kleinen Einblendung sieht haben alle 15 Renngruppen einen goldenen Haken, sprich alle Rennen darin wurden mit Gold-Pokal beendet. Was jeweils für die letzten 3% fehlt ist der Showcase für die Corvette ZR-1. Die „RWD Open Revolution“ fallen in der Komplettierung dabei auf 97% wenn man sie vorher auf 100% gespielt hatte oder werden nur noch zu 97% komplettierbar. Kaufen kann man die Corvette zwar durch einen Trick – wird man von einem Freund in einer der beiden Serien in einem Rennen besiegt, und nimmt über die Nachricht im Briefkasten an dem Rennen teil, bekommt man die Möglichkeit vor dem Rennen den Kauf zu tätigen – und nach dem Rennen kann man den Wagen sogar aufrüsten, das Showcase taucht dadurch aber leider nicht auf.

Eine ähnliche Veränderung erfährt die Rennserie „V8 Muscle Hustle“, welche den Chevrolet Camaro ZL1 erhält, ebenfalls durch ein neues Showcase. Wer die Serie bereits vor dem Update komplettiert hatte, erhielt für 100% bereits 17 Gold – und kann jetzt durch Erledigen des Showcases diese 17 Goldstücke gleich noch einmal erspielen. Nur der Cobalt SS wird nirgendo hinzugefügt sondern erscheint in einer von drei neuen Rennserien. Er hat damit keinerlei Auswirkungen auf Komplettierbarkeit, weder positiv noch negativ.

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Alle Kosten für die beiden neuen Fahrzeuge aus Update 1.1 – klicken für Großansicht

Dies ist dann aber nur ein recht schwacher Trost dafür, da Electronic Arts die Daumenschrauben anzieht. Kein Wunder, ist doch das Spiel überaus profitabel.

Daumenschrauben

Die Verschärfung äußert sich durch zwei Dinge. Zum einen werden die geschlagenen Freunde nicht mehr regelmäßig zurück gesetzt – vielleicht wird es wieder passieren, in den letzten Tagen seit dem Update war es jedoch nicht der Fall. Wie ich in meinem Tipps & Tricks Guide geschrieben habe, kann man durch das Besiegen seiner Freunde z.B. in Cup-Rennen ohne Probleme 14.000 R$ einstecken. Durch das Rücksetzen der besiegten Freunde was dies laut Forenkommentaren bei TouchArcade und im Forum des Herstellers alle 24 Stunden möglich – ein wahrer R$-Regen. Mehrere Millionen teure Autos waren so innerhalb weniger Tage erspielbar, viele Forenmitglieder verkünden mehrere Millionen R$ auf den eigenen Konten. Dies wird nunmehr unmöglich. Selbst durch intensives Spielen ist nicht mehr als 250.000 R$ pro Level möglich, oder knapp  80.000 R$ pro Stunde. Wer nur Southbank fährt (das jetzt „Melbourne“ heißt), kommt auf vielleicht 15 Rennen pro Stunde in denen er für den 1. Platz maximal 7000 R$ erhalten kann – abzüglich Reparaturen und damit um die 100.000 R$. Das ist dann aber nahezu eine Qual, selbst ich als geübter „Grinder“ knirsche da nach kürzester Zeit mit den Zähnen.

Die andere Daumenschraube ist die Ruhm-Anforderung pro Level. Direkt nach dem Update stellte ich fest, dass der nächste Level nicht nach den zu erwartenden Ruhmpunkten erreicht wurde. Hatte ich für Level 86 noch 17500 Ruhm benötigt und waren die Anforderungen jeden zweiten Level um 500 gestiegen  in den Leveln zuvor, so benötigte ich für Level 87 dann 40.000 Ruhm und für Level 88 27500.

Hier eine kleine Darstellung der „lustigen“ Änderung, mit dem starken Ausschlag nach oben direkt nach Installation von Real Racing 3 Version 1.1:

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Als Resultat ergibt sich natürlich eine viel längere Spieldauer pro Level. Wie oben bereits genannt braucht man nun selbst bei intensivem Spiel ab Stufe 86 mit Update 1.1 knappe drei bis vier Stunden. Das sind dann weniger als 1 Gold pro Stunde. Wohl dem der schon viel gespielt und mehrere hundert Gold durch Levelaufstiege gesammelt hat – 1132 Gold benötigt man nur für den Kauf der Fahrzeuge, die nicht mit R$ zu bekommen sind (bei 20% Preisnachlass). Die Anforderungen steigen linear, zudem können nunmehr zwei Serien nicht mehr auf 100% Komplettierung gebracht werden, jeweils 20 Gold für „Moderne Sportwagenklassiker“ sowie „RWD Open Revolution“ sind somit zunächst nicht erreichbar.

EA und Firemonkeys waren natürlich ganz klever und haben im Monat nach Start des Spiels den Einstieg leicht gemacht und die schnellen Erfolge ermöglicht. Jetzt hängen die Fische am Haken und gieren nach Erfolgen, und die sind vielfach gefühlt nur mit Gold zu bekommen.

Durch intensive Datensammelei wird für mich dabei offensichtlich, was im Moment möglich ist. Bis Level 96 sind 150 Stunden vergangen, jeder weitere Level wird graduell mehr Zeit verschlingen. 326 Gold sind dabei zusammen gekommen. Dazu durch das Komplettieren von zwölf Rennserien noch einmal 457 Gold. Sechzehn Serien sind noch offen und man meint natürlich, dass hier genug Gold zu holen ist, um auch den letzten Wagen kaufen zu können – ein wenig einfaches Nachrechnen ergibt dann aber leider nur erwartbare 650 Gold pi Mal Daumen, die man wohl in weiteren 400 Stunden (!) frei spielen kann, kosten doch die nötigen Upgrades und Fahrzeuge mehrere Millionen R$.

155 Gold lässt sich in der ersten Rennserie, der „Pure Stock Challenge“, durch Komplettierung erspielen. Die Upgrades aller Fahrzeuge in dieser Serie mit Gold kosten lediglich 37 Gold. Doch keine zwei Serien später erreichen wir schon Parität – der „Performance Rumble“ fordert mehr als 139 Gold für alle Aufrüstungen, bei den „Everyday Heroes“ sind es schon 209+ Gold… was für die „Supercar Elites“ fällig wird, will ich mir gar nicht ausmalen. 500, 600, 800 Gold? Höchstwahrscheinlich.

Nur zur Erinnerung: für fünf Level gibt es 17 Gold. Ab Stufe 100 benötigt man für fünf Level 20 und mehr Stunden.

Einige Erfolge im Spiel werden dann natürlich zu blankem Hohn. Mehr als 40 Wagen komplett aufrüsten (inklusive Gold-Upgrades), Level 1000 erreichen… guter Witz.   Denn extrapoliert wird der Aufstieg von Level 999 auf 1000 schlappe 483000 Ruhm benötigen. Der gesamte benötigte Ruhm würde dabei 233.561.500 betragen.

Bei drei bis vier Stunden für 30.000 Ruhm die ich durch intensives Spielen bisher benötigte, wäre das eine Spieldauer von 23 bis 30 TAUSEND Spielstunden. Das sind dreieinhalb Jahre reine Spielzeit.

Der „Erreiche Level 1.000“-Erfolg nennt sich „Genau wie aussiebob“. Er sollte „Mittelfinger“ heißen.

Augenwischerei

Gefühlt nötig sind dabei die Gold-Upgrades für Autos hingegen nur deshalb, weil das Spiel leicht nachweisbar die Schwierigkeit der Rennen anpasst. Der von mir voll mit R$ aufgerüstete McLaren MP4-12C hat in den Modernen Sportwagenklassikern sein Showcase in Melbourne – schlappe 20 Versuche habe ich benötigt, um den Gold-Pokal zu erspielen. Beständig wurden die Gegner einfacher, rutschten die schwierigen NPCs nach oben raus. War zu Beginn der schnellste CPU-Gegner noch 15 Sekunden schneller mit dem Rennen fertig als ich, und konnte ich nur bis auf Platz 8 fahren, so hing ich alsbald in jedem Rennen dem Leader bereits nach knapp zwei Runden im Diffusor.

All das natürlich nur dadurch dass ich keine menschlichen Gegner hatte. Nach dem Update sind in den ersten fünf Tagen keine Menschen im Showcase angekommen – das Ausschalten der Internet-Verbindung um keine Menschen als Gegner zugewiesen zu bekommen, war somit nicht nötig, und ich konnte die automatische Anpassung der Schwierigkeit live miterleben.

Ergebnis: Spieler, die keine Ahnung haben, dass man durch Deaktivierung von Internet und dem Ausloggen aus Gamecenter nur noch gegen immer leichter werdende CPU-Gegner spielen muss, und diese Erfolge beim nächsten Kontakt mit dem Internet auch zählen (!) werden entweder frustriert das Spiel in die Ecke pfeffern (oder deinstallieren, so ein iPad kostet ja Geld) oder verständlicher Weise die echten, harten Euros investieren, um den Freund aus der Schule oder den Arbeitskollegen endlich besiegen zu können.

Bitte hier klicken

Alternativ kann er sich auch zur persönlichen Klickfarm für Electronic Arts machen lassen. Im spieleigenen Store kann man im Gold-Menü auf „Gratis“ klicken und dann verschiedenste Dinge tun, um „Gratis-Gold“ zu erhalten – inklusive netter Anleitungen, was man zu tun hat. Darunter 1 bis 2 Gold für das einfache Klicken auf irgendwelche Links auf den Webseiten von Versicherungen – klarer Clickthrough/Pageview-Betrug meiner Ansicht nach – bis hin zu 20 Gold für das Teilnehmen an „echten Gewinnspielen“ mit „Deinen echten Kundendaten“. Aus Spaß habe ich mir eine Wegwerf-Mailadresse besorgt und an einem Gewinnspiel teilgenommen. Resultat: locker flockige 20 E-Mails in den letzten vier Tagen mit weiteren Gewinnspielen und lustigen Links, auf die ich klicken möge, um „mein iPhone“ zu bekommen. Natürlich hatte ich bereits gewonnen. Natürlich sollte ich lediglich meine Adresse für die Zusendung eintragen.

Natürlich.

Mehr Gold gibt es dann nur noch wenn man seine tatsächlichen Daten verwendet, um Gutscheine von 100 Euro bei Zalando oder Amazon zu kaufen etc. pp. Adressdaten-Sammelei und Bonusprogramme par-excellence. Was kann sich ein Adresshändler mehr wünschen als Schafe, die für das Drücken auf Knöpfe virtuelle Knete sammeln wollen? Määh määh.

Fazit

Hätte ich in meinem Test eine Wertung vergeben, würde ich jetzt Punkte, Sterne oder was auch immer abziehen. Meine Befürchtungen bezüglich Geldmacherei haben sich leider leider mehr als bewahrheitet, und die Einschätzung lautet schon jetzt: Real Racing 3 ist meiner Auffassung nach NICHT komplettierbar. Die Frage ist nicht OB man irgendwann einfach aufgibt, sondern WANN. Klar, ich lache mir persönlich ins Fäustchen, habe ich doch ein Gratis-Spiel bekommen das mich effektiv NULL Euro gekostet hat und das ich mehrere hundert Stunden spielen werden ohne auch nur einen Euro auszugeben.

Aber sind wir hier nicht in den gleichen Situationen, die Anrufspiele im Internet darstellen? Bezahlt nicht die dumme Masse für „mein“ Spiel? Ist es nicht umsonst für mich, weil irgendwelche armen Seelen auf der Erde sich meinen Erfolge gegen ihre Freunde kaufen zu müssen?

Andererseits, ist Real Racing schlimmer als Pokemon oder Magic-Karten? Wo ist die Grenze? Sind Firstkills bei World of Warcraft nicht schon seit Jahren eher Ausdruck von investierter Zeit und nicht so sehr vorhandenem Skill?

EA ist, natürlich, Sklave seiner Shareholder und was kann es böses daran geben, den eigenen Usern den Honigtopf anzubieten? Man will doch seine Programmierer weiter beschäftigen. Niemand möchte Entlassungen verantworten.

Bitte hier die passende Platitüde einfügen.

 

Nachklapp

Kommen wir nochmal zurück zum McLaren MP4-12C

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Selbst in 3,5 Jahren könnte ich mir das reale Objekt, an dem ich heute morgen amüsanter Weise vorbei gelaufen bin, nicht „erspielen“

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4 Antworten

  1. Sebastian sagt:

    Interessante und zahlenlastige Zusammenfassung. Aber ist es wirklich DAS Ziel dieses Spiel zu Ende zu spielen? Soll es nicht eher das Ziel haben, Freunde zu besiegen, sich eine Flotte von Autos aufzubauen und diese upzugraden? Muss denn jedes Spiel im AppStore zu Ende gespielt werden können? Ist WorldofWarcraft ein Spiel mit Ende? Nein. Das Spiel kann man ja zu Ende spielen, aber dafür muss man halt bezahlen. Und hier ist es jedem selbst überlassen, sich RS- Gold für viel reales Geld oder sich Autos mit echten Geld zu besorgen.

    Ich stimme dir ja zu, dass einiges im Spiel falsch läuft und sicherlich besser gemacht werden könnte. Aber kann man sich wirklich erlauben sich über ein so gut umgesetztes Spiel zu beschweren?

  2. Sebastian Peitsch sagt:

    Es geht um die Änderung der Anforderungen mitten im Spiel.

    EA hat diese mit Patch 1.1 verdoppelt, das sieht man recht gut im Graphen oben.

    Ich finde schon dass das ein klassischer „Bait & Switch“ ist, den man negativ beurteilen kann.

    • noisyboy sagt:

      Hallo an alle.bin neu im RR3
      Hab mir das Name vor her Weile runter geladen .kam aber erst nicht dazu es zu spielen.
      Alls ich dann doch damit anfing merkte ich das ich OHNE cheats oder sonstigen mist über 700 mio Geld und um die 600 mio gold habe.habe auch nie einen Kauf bestätigt oder zu gestimmt. Hab jetzt Angst ne riesen Rechnung oder der gleichen zu bekommen.
      Wer weis was da los ist ? Hab schon öfter von diesem Phänomen gelesen aber keine Antwort gefunden.
      Ist es ein geschenck für die feiertage da ich es mir zu der Zeit ungefähr runter geladen habe oder muss ich mir jetzt sorgen um eine Rechnung machen?
      Danke und liebe grüße schon mal an alle

      • Sebastian Peitsch sagt:

        Hallöchen,

        es gibt da mehrere Möglichkeiten, wie man auf diese Frage antworten kann. Klappern wir mal die Möglichkeiten ab.

        1) Du hast Dir ausgerechnet, was es kostet, 700 Mio R$ und 600 Mio Gold per In App Purchase zu kaufen. Als Du das ausgerechnet hast, ist Dir aufgefallen, dass der App Store es sicherlich nicht zulassen würde, Dir für mehrere hunderttausend Euro Spielgeld zu überlassen
        2) Du hast das was in 1) steht nicht gemacht und lieber hier gefragt
        3) Du hast Dir einen manipulierten Spielstand installiert
        4) Jemand, der Zugriff auf Dein Gerät hat, hat einen manipulierten Spielstand installiert
        5) Du stellst Dich bewusst doof

        Such Dir davon was aus, ich kann Dir leider keine Antwort geben da mir die Möglichkeiten allesamt zu komplett dümmlich sind, um darauf ernsthaft einzugehen. Erst denken, dann schreiben, sorry.

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