Free always wins

Screenshot: Instapaper (App-Store)

Es ist amüsierend zu sehen, wie Marco Arment rotiert, um seinen Lesern/Kunden den Kauf von Sparrow zu erklären und zu versichern, dass er nicht der Nächste ist der seinen Laden komplett verkauft. Dazu zählt dass er erklärt, warum er selbst seine Firma nicht schon längst verkauft hat.

Instapaper has had multiple similar inquiries from large companies over the last few years. We’ve never gotten very far in talks because I don’t want Instapaper to shut down, I don’t want to move my family across the country, and they didn’t want to pay enough — for them, they’ll pay a premium to hire me, but they won’t pay much for a service they’ll shut down immediately and an app they’ll throw away.
Marco Arment über Talent-Aquise

Es ist irgendwo kein Wunder, hat er doch das selbe Geschäftsmodell.  Keine der Offensichtlichkeiten spricht er dabei aber wirklich an

  • Instapaper wird nur ein Mal bezahlt
  • die Käufe des derzeitigen Monats bezahlen die Weiterentwicklung und den Betrieb der Firma
  • es gibt kostenlose Konkurrenz für die man nichts bezahlen muss

Worum er im Moment herumtänzelt ist die Frage, wie man das verhindern kann. Dabei verlinkt er inzwischen auf andere Blogger, mit dem Hinweis in Richtung Apple, sie mögen doch den Entwicklern Möglichkeiten geben, weiterhin Geld von den Kunden zu kassieren. Er lässt dabei seine bisherigen Erfahrungen mit InApp-Käufen scheinbar bewusst außen vor. Wir erinnern uns, Apple hat ihm verboten eine Abomöglichkeit in Instapaper einzubauen, weil man effektiv nichts kaufen kann. Eine Notlösung wäre gewesen, irgendwas in der App anders einzufärben damit es wenigstens so aussieht, als ob sich etwas tut. Abos für einen Dienst kann man aber im Appstore nicht anbieten, und schlußendlich schrieb er dann gestern Nacht „vielleicht ist der Markt für E-Mail Clients aber einfach zu schlecht“ und er nennt dabei dann Thunderbird, das neulich in der Entwicklung eingeschränkt wurde von Mozilla.

Was er damit ausdrücken will, es aber nicht sagt, steht im Titel dieses Eintrags: Free always wins

Klar, Thunderbird war auch „umsonst“. Das Problem hatte ich aber neulich schon genannt, Thunderbird steht in Konkurrenz zu GMail und zieht von dort „Augen“ ab, die sich Anzeigen angucken. Deshalb nehmen wir ein bessers Beispiel, das Programm, das es als Nächstes treffen könnte: Postbox.

Postbox ist ein auf Thunderbird basierender Mailclient mit sehr guter GMail-Unterstützung. Der Unterschied bisher? Postbox kostete mal 40 Dollar. Dann kostete es 20 Dollar.

Jetzt sind wir bei 9,95 Dollar angelangt. Und der Grund, warum die Firma den Preis weiter senkt, ist meiner Ansicht nach nicht die Tatsache, dass sie über den Mac AppStore jetzt eine super Absatzmöglichkeit gefunden haben. Es ist davon auszugehen, dass im Mac AppStore (ohne dass ich es weiß) das Programm für 40 und 20 Dollar nicht gekauft wurde. Die Preispolitik spiegelt eher genau das wieder, was der iOS AppStore etabliert hat – man kann Programme nicht für einen zweistelligen Betrag verkaufen. Und darüber hinaus ist GMail kostenlos. Viele Kunden sind dazu bereit, für die Einblendung von Werbung so ziemlich Alles in Kauf zu nehmen.

Darüber hinaus existiert noch ein weiterer Punkt, den ich ja bereits im anderen Beitrag angesprochen hatte: Google aquiriert TALENT, sprich Programmierkünste mit Sparrow. Viele spekulieren jetzt, dass die GMail App für iOS deshalb demnächst total toll wird. Meine Einschätzung? Wer’s glaubt wird selig. Google hat im Prinzip einen Client eingestampft, der Werbekunden vom eigenen Client bzw. der Webseite weggehalten hat, sprich Sparrow hat „Augen gestohlen“. Postbox tut das Gleiche. Alle Einwürfe von Marco Arment klingen jetzt quasi hilflos. Selbst WENN eine Möglichkeit in Instapaper existieren würde, so würde doch meiner Ansicht nach keine Sau für den Dienst Geld bezahlen. Wäre das so hätte Marco spätestens mit dem Zeitpunkt wo er iOS 5.0.1 als Mindestbasis für ein Update verlangt hat in der Lage gewesen, zu diesem harten Schnitt auch gleichzeitig einfach ein Instapaper 2.0 herauszubringen.

Schlußendlich bleibt nur eine Erklärung: der einzige Grund, warum Marco seine Firma nicht verkauft, ist der dass er über 30 ist. Ich hab jetzt nicht nachgeguckt aber ich gehe mal stark davon aus, dass die Sparrow-Entwickler keine Frau, kein Kind und keine lange Zeit als Ein-Mann-Unternehmen hinter sich haben.

Der Grund, warum Instapaper weiterhin so existiert, ist der, dass Marco gerne solo arbeitet, weil er ein schlechter Befehlsempfänger geworden ist. Jemand, der gerne unabhängig ist. Der Frau und Kind hat und nicht umziehen würde. Wie ich ihm auf Twitter bereits schrieb klingt die Erklärung irgendwie so, als ob wir dafür sorgen sollten, dass die Freundinnen von Programmierern der Apps die wir mögen möglichst schnell schwanger werden. Wobei das natürlich ebenfalls Null Garanie ist.

Das kann man nicht in AppStore-Eigenschaften umsetzen. Man kann so gut wie alle Wünsche von Marco erfüllen – aber selbst ich habe nachdem ich für Papermill, dem Instapaper-Klienten für Android, ein API-Abo von Instapaper für 3 Dollar im Quartal (1 Dollar im Monat demnach) kaufen musste, dieses Abo sofort abbestellt als Instapaper für Android herausgekommen ist. Weil man dieses Abo dort nicht braucht. Und weil es der Dienst meiner Ansicht nach auch irgendwo nicht wert ist, wenn kostenfreie Alternativen auf dem Markt existieren (siehe Pocket und Konsorten).

Die Lösung des „Die Firma die ich mag wurde aufgekauft“ Problems ist demnach im Endeffekt eine reine Akzeptanzfrage. Sprich Arment schreibt das alles auf einzig und allein um den „Trauernden“ zu erlären, WARUM Sie den Verlust des geliebten Objektes akzeptieren müssen. Weil viele einfach nicht verstehen, wie Finanzierung funktioniert, weil sie nie drüber nachgedacht haben. Die Forderung nach Anpassungen seitens Apple, um den Käufern mehr Möglichkeiten der Unterstützung zu geben, ist meiner Ansicht nach deshalb schlicht eine Nebenkerze. Es gibt keine Garantien dafür, dass nicht eine große Firma kommt, um Deine Lieblingsapp mit einem dicken Batzen Geld zu kaufen. Diese Garantie wird es nie geben, genauso wenig wie es jemals die Garantie geben wird, dass GMail und alle anderen kostenlosen Dienste von Google für immer umsonst bleiben werden.

Es gilt daher die gleiche Regel wie bei anderen Dingen, die uns alle betreffen:

  1. denk drüber nach
  2. mach Dich unabhängig
  3. bezahl für die Dinge, die Du am Leben erhalten willst
  4. erzähl anderen davon und bring auch sie dazu, die drei ersten Regeln zu befolgen

Es ist im Endeffekt genau das gleiche Dilemma wie beim Umweltschutz. Verbesserungen fangen bei der eigenen Nase an. Wer immer nur an sich selbst denkt sorgt dafür, dass alle drunter leiden müssen. Von mir aus setzt für Umweltschutz etwas Anderes ein. Atomstrom, Niedriglohnsektor (Agenda 2010), der Frei-Cent an der Tankstelle, Müll auf dem Gehweg… was auch immer.

Deshalb gibt’s in den nächsten Tagen hier eine Anleitung, wie man seine Mails aus GMail rausholt. Meine Mails waren nie einzig und alleine in GMail drin, vor sechs Wochen habe ich aber gemerkt, dass ich das E-Mail-Programm, das ich nutze, seit 10 Jahren nicht erneut bezahlt habe UND Google hatte gesagt, man bekäme bei Google+ ja im Gegensatz zu Facebook alle seine Daten wieder raus. Das wollte ich dann auch mal mit GMail überprüfen. Demnächst mehr dazu.

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2 Antworten

  1. SebSemmi sagt:

    Apple müsste aber meiner Meinung nach dieser Entwicklung trotzdem mehr entgegen wirken! Der Durchschnittspreis für Apps liegt im Keller und Upgrades kann man auch nicht mehr abrechnen. Langfristig kann man damit kein Unternehmen finanzieren.

    Wenn ich so darüber nachdenke, war vielleicht iAd ein Versuch von Apple für einen stetigen Geldfluss bei Entwicklern zu sorgen…

    • Sebastian Peitsch sagt:

      Dass es keine Update-Preise gibt, ist meiner Ansicht nach auch unverzeihlich. Was die Preise angeht finde ich nicht, dass irgendwas getan werden muss.

      Es ist genau der gleiche Punkt wie bei den MP3-Dateien. Die Preise sind hoch weil zu wenig Leute kaufen. Und sie kaufen nicht, weil die Hürde zum Kauf und die Benutzbarkeit durch DRM zu hoch ist. Der AppStore für Mac macht es einfacher, zu kaufen. Der Finger sitzt dabei umso lockerer, je geringer der Preis ist. Von daher sehe ich hier keinen Grund, irgendwas zu ändern. Es gibt 60 Millionen Macs. Wenn die Leute so locker einkaufen wie auf iOS dann sollte das erreichbare Publikum das hundertfache dessen sein, was man als Hersteller sonst erreichen kann.

      Ich z.B. benutze Directory Opus als Vollversion auf Windows. Wie viele Leute meinst Du machen den Bestellvorgang über die Webseite von Haage & Partner mit? Ich denke das wird verschwindend gering sein. Wenn ich dann aber einen Windows AppStore habe und einfach „Kostenpflichtig Bestellen“ klicken kann, ohne dass ich eine Überweisung machen muss, ohne Eingabe von Kreditkartendaten, mit sofortiger Installation – dann tackert das Geld nur so durch die Leitung.

      Ich verstehe auch, dass Marco Arment meint, dass es schade ist, wenn die Hersteller jetzt wegen der Sandboxing-Geschichte ihre App aus dem Mac AppStore nehmen, weil sie die eigene App beschneiden müssten und dies nicht wollen.

      Nur ist dies leider nunmal so. Es wird sich auch nicht ändern. Die Zeichen stehen auf Einfach. Kein „Speichern unter…“ mehr, sondern „Duplicate“. Automatisches Speichern, Dateiversionen wie in Timemachine direkt in der App – und deshalb auch Sandboxing. Wie Arment neulich den Slashdot-Kommentar auf seiner Seite verlinkte: man muss heute davon ausgehen, dass JEDE App gefährlich sein könnte. Deshalb Sandbox. Da führt kein Weg mehr dran vorbei. Das Java-Modell ist das Richtige. War es schon immer. Der einzige Grund, warum sich Java nicht durchgesetzt hat ist die grottenschlechte UI und die unendliche Langsamkeit (auf Servern läuft Java dagegen wie eine Eins, es ist enorm was da an Programmierern für Server Side Java gesucht wird).

      Deine Einschätzung mit iAds teile ich übrigens nicht. Das hat Apple rausgebracht um Google ans Bein zu pinkeln, höchstw. auf Steve’s Betreiben. Genau wie das Ersetzen der Karten auf iOS.

      Was mir fehlt: ein GMail-Konkurrent. Da sollen sie mal in die Hufe kommen.

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