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Quelle: Teltarif

Oder auch nicht…

Teltarif hat heute in den neuen Tariflisten der Telekom gewühlt und ein paar falsche Schlüsse gezogen. Entgegen des allgemeinen Shitstorm-Palawers, das heute durch den Twitter-Wald zog, stellte die Telekom im Verlaufe des Nachmittags auf ihrem eigenen Blog fest:

  • mit SMS-Flat bezahlt man ab März nächsten Jahres für durch Joyn (RCS-e) Text-Dienste („Chat“ mit der Möglichkeit für Dateianhänge bis 15MB) nichts extra
  • wer Suft-Flats besitzt, zahlt für Joyn Text-Dienste nichts extra
  • wer eine Sprach-Flatrate gebucht hat (in Handynetze logischerweise) zahlt für Videotelefonie-Dienste nichts extra.
  • Das bei joyn anfallende Datenvolumen wird nicht auf das im Tarif enthaltene Datenvolumen angerechnet

So und hier der Umkehrschluss für Kunden mit SMS- oder Daten-Flatrate:

  • Videotelefonie über Joyn kostet extra – 59 Cent pro Minute

und für Kunden mit Sprach-Flat:

  • Joyn „Chat“ kostet extra. 19 Cent pro Nachricht. 39 Cent für Dateianhänge bis 15MB

Ergo:

  • nur Kunden mit superduper allesrundum für 70 Euro im Monat zahlen nichts extra. Alle anderen Kunden zahlen für Videotelefonie und das was früher SMS bzw. MMS war, weiterhin Schweinepreise

Man muss sich das mal vor Augen führen: 12 Jahre nach der UMTS-Auktion verlangt die Telekom für geschätzte 95% der Kunden (alle ohne superduper Teuer-Flat) weiterhin 59 Cent pro Minute für Videotelefonie. DAS Killer-Argument für UMTS wird weiterhin durch idiotische Preise versaut. Kunden ohne Flat (oder gar mit Sprachflat!) zahlen für SMS und MMS mit möglichem Datei-Anhang weiterhin die gleichen Preise wie früher. Das Tarif-Dickicht bleibt weiterhin bestehen.

Die gleichen alten Fallen. Wann war nochmal was umsonst? Keine Ahnung.

Vor allen Dingen begreife ich hierbei nicht, warum niemand zu Congstar wechselt. Es ist das gleiche Netz. Vom gleichen Anbieter. Nur ohne das rosa T. Für nen Zehner im Monat eine Datenflat buchen und der Telekom den Mittelfinger zeigen. Joyn ist, wie zu erwarten war, eine Einrichtung für Leute die sich mit Technik nicht auseinander setzen können oder wollen. Es ist eine Steuer für Menschen, die von Tarif-Informationen leicht überfordert sind, wie Menschen mit niedrigem IQ oder Rentner.

Genau wie bei den EU-Tarifen gehört den Anbietern für diesen Schwachsinn in die Parade gefahren. Wie um alles in der Welt kann man allen Ernstes weiterhin für Textnachrichten 19 Cent verlangen? Und selbst mit 15MB Dateianhang ist der Megabyte-Preis bei einer Joyn-Textnachricht immer noch 2,6 Cent pro Megabyte – in Zeiten von 7,2 Mbit HSDPA. Eine 15MB Nachricht geht in DREI Sekunden über den Äther und die Telekom bekommt dafür 39 Cent.

Witz-hoch-fünf.

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4 Antworten

  1. Selcuk sagt:

    Irgendwie finde ich die Themen, die Du hier anschneidest und auch meiner Meinung nach treffend kritisierst, toll.
    Mach weiter so. Bitte.

    Wenn’s geht ruhig mehr 😉

    Viele Grüße
    Selcuk

    • Sebastian Peitsch sagt:

      Danke für’s Lob 🙂

      Glaub mir ich kommentier so viel ich kann – aber halt nur die Dinge, die mir wirklich wichtig sind und wo ich zusätzliche Erkenntnisse liefern kann. Viele Sachen bleiben einfach liegen weil ich nicht der Meinung bin dass es die Zeit die das Lesen kosten würde beim Leser wert wäre.

      Das sehen viel andere Blogs anders (der Clicks wegen). Ich will, dass sich ein Besuch lohnt 🙂

  2. Joschka sagt:

    Hi,
    generell sehr gut das du das Thema aufgreifst. Ich finde die zum Teil sehr harsche und heftige Wortwahl etwas zu krass. Meinungen äußern ist immer Super und ich bin ein Riesen Freund davon. Einfach immer nur negativ zu sein finde ich aber auch krass. Der Telekom Tarif hat schon gewisse Vorzüge die ich persönlich gerne teuer bezahle. (und ich würde mich als technisch interessierten und auch informierten Kunden halte.) Ja ich weis das ich einen ähnlich guten Tarif für die Hälfte bekomme. Aber ich will gewisse Techniken nutzen können die in keinem standarttarif drin sein können. (ich hab den ganz großen Tarif bei der Rosa macht). Aber ich habe die Möglichkeit eine speedoption zu bekommen. Kosten wieder extra im Monat ja, aber wer bietet mir sonst 21,iwas im Download? Und ich hab multisims in Laptop und iPad. (und spare mir dadurch den haus anschluss) Also nur scheiße ist das auch nicht. Aber ich gebe dir recht das das alles zu teuer ist.

    • Sebastian Peitsch sagt:

      Hi Joschka,

      nun ja dann bist Du doch aber genau die Zielgruppe die ich überhaupt nicht meine – um genau zu sein hab ich Dich doch explizit ausgeklammert. Ich habe so hart gegenüber der Telekom geurteilt weil sie die Leute, die eben nicht die All-Inclusive-Flatrate haben, extra „besteuert“ durch den Aufbau eines undurchsichtigen Tarifdickichtes.

      Aber nehmen wir ein Beispiel wie eine Joyn-Konversation ablaufen könnte. Auf der einen Seite jemand mit SMS-Flat, auf der anderen ein Kunde mit Sprachflat. Die Konversation beginnt per „SMS“. Dabei zahlt der Kunde mit der Sprachflat 19 Cent für jede Nachricht – der mit der SMS-Flat nichts. Dann schaltet jemand die Kamera ein, egal jetzt wer, damit man ein Videotelefonat über Joyn führen kann – und auf einmal zahlt der SMS-Flat-Kunde 28 Cent die Minute – und der andere nichts mehr.

      Wie ist das a) kundenfreundlich und b) für jemanden, der alt oder nicht wirklich auf zack ist, zu durchschauen?

      Vor allen Dingen weil diese ganzen Nachrichten als DATEN vermittelt werden. Die Telekom schafft es 12 Jahre nach der UMTS-Versteigerung, mit einem vollkommen auf Datenverkehr basierendem Telefonnetz, die Kunden für eine bestimmte Datenmenge immer noch unterschiedlich zu taxieren, anstatt dass es ENDLICH so wird wie es sein sollte – dass man für einen schnellen Datenzugriff für ein bestimmtes Kontingent bezahlt, und danach der Zugang für die Gesundheit des Netzes (damit es nicht überlastet werden kann durch zu viel Traffic) gedrosselt wird. Aber im Endeffekt pro Monat nur eine Summe anfällt und man niemals mehr bezahlen muss als eine vorher vereinbarte Summe. Ohne versteckte Kosten. Ohne die Gefahr, in eine Kostenfalle zu tappen (denn sowas wie einen Kosten-Airbag gibt es bei der Telekom ja immer noch nicht)

      Das Schlimme daran ist aber, dass hier (wie bei vielen Dingen im Kapitalismus) die Geringverdiener unverhältnismäßig viel bezahlen müssen. Jemand der 80.000 Euro im Jahr verdient kann sich mit Leichtigkeit für einen geringen Prozentsatz seines Einkommens eine Full-Flat leisten. Sagen wir 80 Euro. Jemand der 20.000 Euro im Jahr verdient, bezahlt also 20 Euro, um den gleichen Anteil am Einkommen aufzuwenden. Der Besserverdienende kann alles frei benutzen und zahlt immer nur seine 80 Euro, ohne jemals in eine Kostenfalle geraten zu können – während der Geringverdienende die ganze Zeit durch ein Minenfeld an versteckten Kosten hüpfen muss. Und das Problem ist dabei, dass die gut ausgebildeten (intelligenten) Menschen meist auch mehr Geld verdienen und die Mobilfunkunternehmen darauf hoffen, dass die schlecht ausgebildeten Menschen in die Kostenfalle tappen.

      Ich mag’s einfach nicht dass alte und dumme Menschen dafür eine Extrasteuer bezahlen müssen.

      Sorry für die lange Antwort 🙂

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