Auch Asymco analysiert Gartner Verkaufszahlen

Es ist schon ein klein wenig ironisch dass ich am vergangenen Samstag hier saß und an der Erfassung der Gartner Verkaufszahlen arbeitete und Horace Dediu von Asymco dies wohl auch getan hat – er seine Erkenntnisse aber erst am Montag veröffentlichte, wohl als „Erster Artikel direkt Montag früh“. Hätte ich mein sonst so ausgeprägtes „kann ich morgen noch machen“ an den Tag gelegt wäre hier extrem viel weniger los gewesen.

Na wie dem auch sei – hier die Grafik von Asymco

Quelle: Asymco

Und hier ein neuer Graph den ich aus meinen Daten noch schnell gebastelt habe gestern Abend:

Q3/2011 weltweite PC Verkäufe

Q3/2011 Global PC Sales

Wunderbare Kontrolle meiner Datenerfassung, oder?
(Hinweis: mein Graph beginnt zwei Quartale früher als der von Asymco und endet ein Quartal früher da ich keine spekulativen Daten für das vierte Quartal 2011 mit hinein genommen habe und der Ansicht war 2008 beginnt mit dem 1. Quartal – man sieht das bei Asymco nicht richtig aber Horace Dediu hat Q4/2011 mit erfasst ganz am rechten Rand)

Mein jetzt veröffentlichter Graph ist dahingehend unterschiedlich zu denen aus meinem früheren Post, die zu Grunde liegenden Daten sind aber die gleichen. Die Gründe hierfür sind simpel. Der alte Graph zeichnet Marktanteile ein, der neue Graph verkaufte Stückzahlen. Marktanteil ist schlicht und ergreifend die Anzahl verschickter Computer geteilt durch die im jeweiligen Quartal von ALLEN hergestellten Computer.

Ein Beispiel: sagen wir HP produziert grundsätzlich 15 Millionen PCs für mehrere Quartale. Im ersten Quartal produzieren alle Hersteller so viele PCs, dass insgesamt 100 Millionen verkauft wurden. Macht einen Marktanteil von 15% für HP. Im darauf folgenden Quartal produziert HP immer noch 15 Millionen, die anderen Hersteller müssen aber Einbußen hinnehmen und insgesamt werden nur 75 Millionen produziert (und verkauft). HPs Anteil steigt dadurch auf 15 von 75 Millionen = 15 geteilt durch 75 = 20%. Oder, um alte und neue Zahlen zu vergleichen, um 100 Millionen gegenüber 75 Millionen PCs = 100/75 = 1,33, sprich 15*1,33 = 20 Prozent.

Das ist der Grund warum in einem Martkanteil-Graphen die Zahlen von HP so abgeflacht aussehen gegenüber den reinen Produktionszahlen. Offensichtlich verkauft HP in Zeiträumen wo mehr PCs gekauft werden auch mehr PCs, der Anteil am Gesamtmarkt bleibt aber relativ gleich bzw. sinkt in den letzten Jahren wenn man das iPad mit hinzu nimmt.

Q3/2011 weltweiter Marktanteil PC-Hersteller (inklusive iPad)

Q3/2011 Global Market Share (with iPad)

Wie kann man die Zahlen bzw. die vorliegenden Graphen nunmehr deuten?

Meiner bescheidenen Meinung nach wildert das iPad schlicht und ergreifend im Markt für Netbook Computer. Man kann sogar sagen das iPad kannibalisiert diesen Markt da Hersteller von Netbooks wie Acer ziemlich in die Knie gehen. Nicht im Graph enthalten ist Asus da diese in der Vergangenheit immer wieder aus den Zahlen von Gartner raus und wieder reingerutscht waren als sechstgrößter Hersteller. Auch Asus produziert viele Netbooks bzw. produzierte und das ist wohl auch der Grund warum sie nach unten aus den Top 5 heraus rutschten.

In der Vergangeheit hat sich John Gruber vielfach über Analysten und „Apple-Experten“ lustig gemacht die gesagt haben, Apple müsse unbedingt ein Netbook auf den Markt bringen. Es ist schon irgendwie lustig, wie im Moment die Marktzahlen analysiert werden, aber es ist für mich persönlich ziemlich offensichtlich dass Apple genau das getan hat – sie produzieren etwas, das den Bereich von unter 500 Dollar anpeilt. Nur ist es halt kein Netbook sondern ein vollständig neues Produkt das die Schlüssel-Problemchen eines jeden Netbooks ausmerzt und den Markt komplett übernimmt. Denn wenn man sich die Firmen anschaut die nicht auf Basis von Netbooks massive Marktanteile gewonnen (und nunmehr verloren) haben, nämlich Dell und HP, so erkennt man dass sie in ziemlicher Beständigkeit ihren Marktanteil gehalten haben (man korrigiere mich bitte aber ich glaube HP und Dell sind vor etwas über einem Jahr aus dem Marktsegment Netbooks komplett ausgestiegen).

Der wahre Geniestreich hier ist, dass es Apple hinbekommen hat, ein Gerät auf den Markt zu bringen das insgesamt BESSER ist als jedes Netbook UND dass sie dabei einen riesigen Profit einstreichen. Bei einem Verkaufspreis von knapp 200$ ÜBER dem Preis eines durchschnittlichen Netbooks schaffen sie es die Profite einzufahren auf die Acer (bewusst?) verzichtete, um sich große Marktanteile zu sichern.

Der wahre Verlierer hier ist Acer, nicht HP oder Dell. Denn so wie ich die Zahlen deute geht es dem PC-Markt heute gut wenn man sich einmal in Erinnerung führt dass es vor zwei, drei Jahren den Beginn einer weltweiten Wirtschaftskrise gab an der wir heute (angeblich) immer noch zu leiden haben. Auch wenn so ziemlich jedes Wirtschaftszeichen wie die neuen Schuldzinsen und die Arbeitsmarktzahlen sowie eben hier die PC-Absatzzahlen ein deutliches Zeichen DAGEGEN setzen.

Hier sind die Zahlen von Gartner:

Q3/2011 PC-Verkäufe weltweit

Q3/2011 Global Total PCs Shipped (PCs = without iPad)

Der Knick 2008/2009 durch die Hypothekenkrise in den USA ist deutlich.

Dennoch liefern PC-Hersteller heute 10 Millionen Stück MEHR PCs aus im Vergleich zum Jahresbeginn 2008, als die Krise noch nicht existierte. Dies bedeutet ein Wachstum von 15% (an reinen Stückzahlen), was ein ungefähres Wachstum von 4% pro Jahr bedeutet. Angenommen die Preise der Geräte haben sich nicht verändert, so bedeutet dies ein Wachstum das oberhalb der Inflationsrate von angenommen 3% weltweit liegt. Vor allen Dingen weil der Netbook Markt so stark unter dem iPad leidet ist meiner Ansicht nach nicht davon auszugehen dass diese Absatzzuwächse auf Kosten von Preisnachlässen gingen.

Jeder der nunmehr behauptet Apple kannibalisiert den PC-Markt liest die Marktzahlen falsch, jedenfalls im Moment. Leo Apothekers Entscheidung den PC-Bereich von HP abzustoßen grenzt meiner Ansicht nach an Idiotie. Dieser Eindruck verstärkt sich noch dadurch wenn man sich vor Augen führt dass sie den gleichen Weg gehen wollten wie IBM, welche in der Vergangenheit ihre Endkundensparte an Lenovo verkauften – jenen Hersteller, der im Moment massiv Marktanteile zulegt, und das sicherlich nicht weil sie Desktop-PCs herstellen sondern sehr robuste Notebooks.

Kommen wir aber zum Schlüsselspieler dieser ganzen Zahlen: Tim Cook

Keine der oben gelisteten Zahlen informiert über den Gewinn. Apple ist hier unbestritten der absolute Sieger. Tim Cook ist derjenige der es Apple ermöglicht einen Netbook Killer zu einem Preis zu produzieren, der ihnen gigantische Gewinnmargen ermöglicht. Zahlreiche andere Hersteller haben gezeigt dass selbst wenn sie das Design des Geräts kopieren sie nicht dazu in der Lage sind auch nur ansatzweise Gewinne einzufahren. Sie produzieren ihre Geräte mit Verlust. Anders sind Einstiegspreise von 899 Dollar für Samsung Tablets meiner Ansicht nach nicht zu erklären, welche nur Tage an den Geräten prangen und dann unter den Preis des iPads gesenkt werden müssen, um überhaupt irgendwas zu verkaufen.

Der Grund warum Firmen wie HP überhaupt auf die Idee kommen den PC-Bereich abzustoßen ist dass sie eben keinen Tim Cook in ihren Reihen haben. HP gibt damit indirekt zu dass obwohl sie jedes Jahr 15 bis 17 Millionen PCs produzieren sie der Ansicht sind, dass die Gewinnmargen in einem von Microsoft und Intel bestimmten Geschäftsfeld dabei so niedrig sind, dass es sich nicht lohnt, weiterhin zu verkaufen.

In Anbetracht der Tatsache dass M$ sich nunmehr dazu aufmacht, Windows 8 auf die ARM-Plattform auszurichten, kann dies nur Gutes für die Plattform Windows und den Verbraucher bedeuten, denn es wird immer einen Hersteller (wie Acer) geben, der dazu bereit ist, in die eigene Gewinnmarge zu schneiden um Marktanteile zu gewinnen (und um dann vom Markt zu verschwinden). Wenn dies aber in einem nicht-monopolistischen Markt passiert wie es einer für Tablets mit Intel als nicht-führendem Prozessorhersteller wäre, so sind die Vorteile laut den Gesetzen der Wirtschaftwissenschaften noch um einiges größer.

Denn im Bereich der Qualität hat Apple bereits den Fuß so weit in der Tür dass es keinen großen Raum für andere Hersteller gibt. Diesen bleibt nunmehr nur, eventuelle Windows 8 Tablets zu verschleudern, um Kunden zu gewinnen. Und Microsoft wird ebenfalls dazu gezwungen, mit ihren Preisen in die andere Richtung zu gehen. Wir erinnern uns: Windows 3.11 hat mal 30 DM gekostet. Windows 95 kostete 150 DM. Windows 7 kostet in der kleinsten Version 150 Euro. Wie groß schätzen wir die Wahrscheinlichkeit ein dass diese Preise für Tablets gelten werden? Irgendwas um 0% ist glaube ich ein Treffer.

Windows 8 wird für Tablets wird höchstwahrscheinlich einen OEM-Preis in der Nähe dessen von Windows Phone 7 für Handys haben. Anders kann es in keinster Weise möglich werden, Käufer vom iPad zu Windows 8 Tablets zu locken. Wer glaubt schon dass dies zu höheren Preisen als die des iPad geschehen würde? Die einzige Stellschreibe ist, ironischerweise, der Preis für das OS, wo doch auf dem Desktop diese Preise quasi fix sind und der Grund, warum Firmen wei HP keinen signifikanten Gewinn machen können.

Die wahren Verlierer in diesen ganzen Rechnungen sind meiner Ansicht nach demnach Microsoft und Intel. HP und Dell machen derzeit wohl so wenig Gewinn pro verkauften PC dass HP es in Erwägung gezogen hat, den gesamten Bereich abzustoßen. Trotzdem geben es die Zahlen meiner Ansicht nach nicht her dies alles so zu interpretieren dass der PC Markt in Gefahr ist. Meiner Meinung nach wird es immer einen Markt geben für Geräte die an 24 Zoll Displays angeschlossen werden. Das Einzige was hier NICHT erreicht werden kann ist WACHSTUM, die Metrik nach der Börsengurus hecheln. HP und Dell sind wenn man sich die Zahlen von Asymco zur Geschichte der PC-Hersteller nach Stückzahlen anschaut derzeit in einem Markt, der gesättigt ist. Wachstum ist lediglich im Bereich der Tablets zu machen. Netbooks erlaubten zwar Stückzahl-Steigerung aber keine Gewinnsteigerungen. Acer demonstriert dies deutlich. Apple ist nunmehr die Firma die beweist dass der Markt des „zusätzlichen kleinen Computers für unterwegs und auf der Couch“ profitabel sein kann und zwar weil sie den höheren Preis über eine höhere Qualität des Produkts unterfüttern – um dann den Gewinn mit Freuden einzustreichen, währen Netbooks lediglich Mini-Laptops waren die sich über einen Mini-Preis etablieren mussten.

HP, Dell und Acer waren aufgrund der Tatsache dass weder Microsoft in der Lage war, ein gutes OS für den neuen Netbook-Markt zu liefern (man war immer auf eine Tastatur angewiesen) noch dass Intel es hinbekommt, leistungsfähige Prozessoren für das Segment zu liefern (der Grund, warum weiterhin Windows XP auf Netbooks geliefert wurde – Ressourcenschonung), niemals überhaupt in der Nähe des Punktes, ein Netbook mit ausreichend Gewinn zu produzieren.

Sprich: HP, Dell und alle anderen Hersteller waren auf der Wintel-Plattform so stark abhängig vom CPU- und OS-Hersteller, dass sie nie eine Chance hatten, etwas sinnvolles zu produzieren. Netbooks waren immer nur ein Gimmik. Apple hat mit Hilfe von genialem Design und der Macht von Milliarden in der Kasse aus dem Verkauf von iPod und iPhone eine Produktionskette durch Tim Cook aufgebaut, die einen boomenden Tablet-Markt generiert hat, in Synergie mit der Tatsache dass das iPad viele Teile der iPhone übernehmen konnte. „Unglücklicherweise“ für alle anderen Hersteller mit mit dem Nebeneffekt den Daumen auf ALLEN Aspekten der Produktionskette zu haben (abgesehen vom lizenzierten Prozessor von ARM).

Apple war und ist immer auf dem Standpunkt gewesen, dass man sich die Optionen offen halten muss. Nur so ist der Wechsel von PowerPC zu Intel zu erklären und die Wahl von ARM für das Tablet. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird Apple sobald Intel es endlich auf die Reihe bekommt, einen stromsparenden, leistungsfähigen Prozessor für Tablets zu produzieren, iOS auf diese Platform portieren. Um unabhängig zu bleiben.

Demgegenüber werden die „alten“ PC-Hersteller sich höchstwahrscheinlich wieder auf Gedeih und Verderb Microsoft ausliefern und wenn sie denn mal Experimente wagen wie HP mit Palm OS nach wenigen Monaten den Schwanz einziehen um wieder zu M$ zurück zu kriechen.

Das wahre Problem des PC-Marktes ist nicht Apple. Das wahre Problem ist, dass der PC-Markt sich abhängig gemacht hat von Windows, sprich Microsoft, und Intel.

Alles in allem tut Apple ALLEN, auch den PC-Fanboys im Moment einen Gefallen, dass sie den Markt aufbrechen und für Konkurrenz sorgen was CPU-Hersteller (ARM) und OS-Hersteller (Google mit Android für Tablets) angeht.

Denn ohne Apple würde es ein preiswertes, leistungsfähiges Windows für Tablets niemals geben.

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